Gustav und der Badener Nachtwächter

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Unser Rucksack Gustav entdeckt bei Speck-Linsen-Eintopf und Obstler das nächtliche Baden.

Letzten Mittwoch wartete auf mich ein Stadtspaziergang der besonderen Art: In Baden führt der berühmte Nachtwächter Thomas Besucher durch die historische Stadt und gibt dabei lustige und zugleich spannende Einblicke in die Vergangenheit.

Ich mache mich also auf den Weg nach Baden mit Schal, Haube und Handschuhen im Gepäck, denn das Thermometer zeigt heute Minusgrade *brrrrr*. 

Da ich heute schon extra früh angereist bin, geht sich noch ein Stopp im Cafe Clementine aus. Baden ist ja weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für seine wunderschönen Rosen – da lasse ich mir doch eine Original Badener Trüffel-Rosen-Torte nicht entgehen.

Fest eingepackt geht es hinaus in die Winternacht und auf zur Stadtpfarrkirche, wo der Treffpunkt für die muntere Stadtführung ist. Der lustige Nachtwächter Thomas mit dickem Wollmantel, tief ins Gesicht gezogenem Hut und flackernder Laterne wartet bereits und ruft mir schon aus der Ferne zu. Zu fünfzehnt schauen wir gespannt in das Gesicht des Nachtwächters und lauschen, was er uns erzählt.

G'schichteln aus Baden

Die Tour beginnt mit der so genannten Türmerstube in der Pfarrkirche, dessen Turm wir gleich erklimmen werden. Zuerst heißt es 115 Stufen zu überwinden, um in die Stube zu gelangen, in welcher einst der Mesner auf kleinstem Raum und in Kälte mit seiner Familie lebte. Um für lockere Stimmung zu sorgen, gibt der Nachtwächter eine Runde seines „gemischten Obsttellers“ aus, ein Stamperl Obstler, das gegen die Kälte helfen soll. Aus der Türmerstube gibt es als Belohnung für den Aufstieg eine tolle Aussicht auf Baden zu bestaunen.

Anschließend geht es wieder hinaus in die Kälte und wir folgen dem Nachtwächter auf seiner Tour durch den historischen Stadtkern Badens. Nachtwächter Thomas kennt alle Geschichten über Baden und lässt dabei kein Auge trocken. Thomas erzählt über Mozart & Beethoven und deren großer Liebe zu Badens Wein. So soll Mozart einst seinem Freund Stoll folgendes Gedicht geschrieben haben: „liebster Stoll! bester knoll! grösster Schroll! bist Sternvoll! – gelt, das Moll thut dir Wohl?“ 

Lumpentürl

So machten die beiden sicher auch oft während ihres Aufenthalts in Baden Gebrauch vom so genannten „Lumpentürl“. Da Baden ja von einer Stadtmauer umgeben war, dessen Tore bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen wurden und die Weingüter sich außerhalb der Stadt befanden, gab es für die meist Betrunkenen dann nur mehr die Möglichkeit, durch einen kleinen Durchgang in der Stadtmauer nach Hause zu kommen. Der Name „Lumpentürl“ ist heute Namensgeber für eine Weinsorte.

Auch Beethoven klagte während seiner Lebzeiten über Leibschmerzen, ein Grund dafür war, dass in seiner Heimat Deutschland dem Wein oft Bleizucker beigemischt wurde, somit ein giftiger Cocktail. Man sagt sich, dass Beethoven möglicherweise schon früher gestorben wäre, wäre er nicht öfter nach Baden gekommen, wo der Wein schon damals eine hohe Qualität hatte. 

1480 erhielt Baden das Stadtrecht und somit das Recht, eine Steuer auf Wein einzuheben. Auf dem Stadtwappen sind Männlein und Weiblein in einem Badefass zu sehen. Schon damals war Baden als Kurort bekannt. So schickte man manchmal Frauen, die ein so genanntes „Frauenleiden“ hatten und keine Kinder bekommen konnten, hierher, um sie auszukurieren. Da es in den Badeanstalten oftmals alles andere als züchtig herging, kehrten die Frauen dann wirklich in freudiger Erwartung und „von allen Leiden geheilt“ wieder nach Hause zurück!

Auch das Kaiserpaar war oftmals in Baden zu Gast und wohnte während ihres Aufenthalts im Kloster, wo es auch einen direkten Zugang zum Frauenbad gab. Der Nachtwächter gibt uns viele interessante Einblicke und selbst die eingesessenen Badener unter den Teilnehmern kann Thomas noch ein „Ahhh!“ entlocken.

Nachtwächtermahl

Nach 1,5 Stunden in der Kälte ist es nun aber an der Zeit sich aufzuwärmen. Was gäbe es hierfür besseres als die Badener Hauervinothek, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückgeht? Auf alle Teilnehmer wartet hier noch ein Gläschen „Lumpentürl“, der wirklich vorzüglich schmeckt. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, es gibt einen rustikalen Speck-Linsen-Eintopf, der für die notwendige Wärme von Innen sorgt.

In der Hauervinothek habe ich noch etwas Zeit, um mit Thomas zu plaudern. Er ist selbst Badener und liebt es, Besucher mit seinen Geschichten zu begeistern. In seiner Freizeit malt er sehr gerne und ist selbst gerne in ganz Niederösterreich unterwegs.

Der Abend hat mir riesigen Spaß gemacht und es mir ermöglicht, Baden auf eine Art kennenzulernen, die man so schnell nicht wieder geboten bekommt.

Für alle Interessierten: Der Nachtwächter dreht jeden Mittwoch Abend seine Runden durch das nächtliche Baden, Anmeldung in der Tourist Info!

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