• Die sanften Hügel umgeben das majestätische Stift, dessen markante Türme in den Himmel ragen. Ein Hauch von Geschichte und Spiritualität erfüllt die Luft, während die Weinreben im Vordergrund die Schönheit der Umgebung unterstreichen.
    ©© Stift Klosterneuburg/Jürgen Skarwan

Stadtgeschichte

Stadtgeschichte

Tauchen Sie ein in die Geschichte Klosterneuburgs!
Von den Babenbergern rund um Markgraf Leopold bis hin zu den Spuren der Türkenbelagerungen – die bewegte Vergangenheit der Stadt ist bis heute an vielen Orten erlebbar und spürbar.

Die "Schleierlegende"

Die berühmte Legende von der Gründung des Stift Klosterneuburgs

EIN SCHLEIER FÜR KLOSTERNEUBURG
Als Markgraf Leopold und seine Gemahlin im Schloß auf dem Kahlenberg sich an einem offenen Fenster besprachen und in christlichem Eifer verlangten, der Himmel möge ihnen den tauglichsten und gottgefälligsten Ort zur Gründung einer Kirche und eines Klosters durch ein Zeichen weisen, siehe, da ist urplötzlich bei schönem, stillem und heiterem Himmel aus göttlicher Anordnung der Hauptschleier der tugendsamen Gemahlin Agnes durch einen unverhofften Windstoß erfaßt und in den nahe an der Donau liegenden finsteren Wald getragen worden - vor beider Augen und im ersten Jahr ihrer Vermählung Anno 1106.Dieser Schleier, der noch bis auf den heutigen Tag zu Klosterneuburg als ein Los- oder Kennzeichen des gestifteten Gotteshauses gebührendermaßen unter anderen Reliquien aufbehalten und gezeigt wird, ist in Wind, Regen und Schnee, vor Menschen und unvernünftigen Tieren sicher, unverletzt und unversehrt im Wald hängengeblieben und endlich im neunten Jahr vom heiligen Markgrafen Leopold, als er in dieser Gegend des Waldes jagte, unter Gesträuch und Hecken auf einem Hollerbaum (dessen Stamm auch noch vorhanden ist) ausgebreitet durch die bellenden Jagdhunde gefunden worden. Weil nun Leopold der Heilige durch das Auffinden des Schleiers erkannte, daß ihm dieser Ort für die Erbauung des von ihm vorgesehenen Gotteshauses von Gott auf wunderbare Weise gezeigt wurde, hat er alsbald den Schleier (welcher so viele Jahre unversehrt auf der Hollerstaude hängengeblieben war) voll Freude seiner Gemahlin nach Hause gebracht, die wundersame Auffindung mit allen Umständen erklärt, worauf sie höchst erfreut war und Leopold ungefähr mit den Worten angeredet haben soll:"Geliebter Ehegemahl, dies ist der Ort, von welchem Gott will, daß er ihm geweiht werde."Leopold ließ deshalb den Wald ohne Verzug aushauen, Stock und Stauden ausrotten, den Ort zubereiten, den Platz abräumen und alle möglichen Anstalten für den Bau treffen. Weil aber Leopold diesen Ort nicht als sein eigenes und freies Gut erkannte, hat er zur besseren Sicherheit in allen Städten und Märkten fünf Jahre hintereinander sich öffentlich als rechtmäßiger Herr dieses Grundes ausrufen lassen und denen, die rechtmäßigen Anspruch darauf ordentlich nachweisen konnten, ihr Grundstück doppelt bezahlt. Auf solche Weise wurde am 12. Juli 1114, weil die notwendigen Materialien dafür schon beschafft waren, an dem Ort, wo die Hollerstaude mit dem Schleier gestanden war, der Grundstein gelegt und angefangen zu bauen.

Quelle: Adam Scharrer, Oesterreichische Marg-Graffen ... - Wien 1670

Kurzer Abriß der Geschichte der Stadt

Jungsteinzeit & Antike
Die frühesten Spuren menschlicher Ansiedlung in Klosterneuburg reichen bis in das Neolithikum zurück.

Eine erste Siedlungskontinuität entwickelte sich erst ab der Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus mit der Errichtung eines römischen Militärlagers für Auxiliartruppen, dem westlichsten der Provinz Pannonien. Zahlreiche archäologische Grabungen legen Zeugnis ab über das Leben der Römer und die Besiedlung des Platzes bis ins 5. Jahrhundert; für den Namen dieses Kastells wurden in der Vergangenheit mehrere Theorien entwickelt, und war lange ungeklärt.2017 wurde nach langer Forschungsarbeit der antike Name des Römerlagers der Tribunus cohortis "Arrianis" wiederentdeckt und dies im Rahmen der Jahresaustellung im Stift Klosterneuburg 2018 präsentiert!

Mittelalter
Nach der endgültigen Eroberung des Awarenreiches durch den fränkischen Kaiser Karl den Großen entstand im Omundesdorf des Bairischen Ostlandes, bei dem es sich möglicherweise um das heutige Klosterneuburg handeln könnte, ein Herrenhof mit einer Martinskirche. Eine nachweisbare Besiedlung des Hochplateaus setzte erst wieder im 11. Jahrhundert ein.

Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung als „Nivvenburc“ (Neuenburg) stammt von 1108. Sie findet sich im Traditionsbuch des Stiftes Klosterneuburg.

Große Bedeutung erlangte die Stadt um 1113, als sich Markgraf Leopold III. hier eine ansehnliche Residenzstadt schuf. Leopold III., der mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. verheiratet war, errichtete am Rande der Oberen Stadt seine neue Residenz, die in Anlage und Ausmaß der standesgemäßen Stellung des Reichsfürsten entsprach. Im Jahr 1114 ließ Leopold III. in feierlicher Weise den Grundstein für eine neue monumentale Stiftskirche legen. Die Kirche war ursprünglich ein Kollegium für weltliche Kanoniker und wurde erst 1133 in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt. Neuburg bekam damals schon jene Ausdehnung, die sie durch Jahrhunderte beibehielt. Die Donau bedeutete für die Bewohner dieser Siedlung eine große Bedrohung, war aber auch zugleich ihr Lebensnerv, da auf dem Wasserweg ein Großteil der Handelsgüter befördert wurde. Die häufigen Überschwemmungen drängten die Bewohner jenseits der Donau immer mehr landeinwärts, sodass zu Beginn des 13. Jahrhunderts sich die beiden Stadtteile zu Neuburg klosterhalben (Klosterneuburg) und Neuburg markthalben (Korneuburg) auseinanderentwickelt hatten. Diese natürliche Teilung brachte für die Bewohner große Schwierigkeiten, die auch Albrecht I., der sich 1288 in Neuburg eine neue Burg als Residenz errichten ließ, nicht verborgen blieben. 1298 trennte Albrecht I. die beiden Stadthälften und verlieh Neuburg klosterhalben, dem eigentlich älteren Siedlungskern, ein neues Stadtrecht.

Die schlecht umwehrte und daher schwer zu verteidigende Untere Stadt (heutiger Stadtplatz und Martinsviertel) musste immer wieder den feindlichen Belagerungen preisgegeben werden. Sie wurde mehrmals geplündert und zerstört, während sich die Bevölkerung in den Schutz der stark befestigten Oberen Stadt begab. So vor allem während der Türkenbelagerungen von 1529 und 1683. Dass die Stadt 1683 trotz ihrer schwachen Kräfte bis zuletzt durchhalten konnte und somit einen wichtigen Flankenschutz beim Anmarsch der verbündeten Christenheere zum Entsatz von Wien bilden konnte, war in erster Linie das Verdienst zweier Chorherren und der starken Solidarisierung zwischen Stift und Stadt.

Neuzeit
1763 gründete Wilhelm Rudolph Freiherr von Ripke die Schiffswerft Klosterneuburg, welche die erste österreichische Werft überhaupt war. Im 18. Jahrhundert wollte Kaiser Karl VI. das Stift Klosterneuburg zu einem österreichischen Escorial, d. h. zu einer herrschaftlichen Klosterresidenz, umbauen. Nach dem Tod Karls VI. geriet das Projekt jedoch ins Stocken und wurde in den folgenden Jahrzehnten immer schleppender bearbeitet, bis es 1842 nicht mehr weitergeführt wurde. Nur einer von insgesamt vier geplanten Innenhöfen und nur zwei von neun Kuppeln wurden fertig. Letztere sind von weitem zu sehen und präsentieren die Reichskrone und den österreichischen Erzherzogshut, die die Herrschaftstitel des Hauses Habsburg symbolisieren.

In den Jahren 1805 und 1809 wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt, am 20. Dezember 1805 weilte Napoleon I. kurz im Stift Klosterneuburg.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Klosterneuburg ein noch in sich abgeschlossenes Weinhauerstädtchen mit knapp 5.000 Einwohnern. Mit dem Ausbau der Verkehrsverbindungen nach Wien wählten viele Wiener Beamte und Arbeiter Klosterneuburg als neues Wohndomizil. Von 1908 bis 1919 verkehrte außerdem der Elektrische Oberleitungs-Automobil-Betrieb der Gemeinde Weidling, einer der ersten Oberleitungsbusse Österreichs, zwischen dem Bahnhof Klosterneuburg-Weidling und dem Ort Weidling. In den 1930er Jahren zählte Klosterneuburg bereits über 15.000 Einwohner.

Zeit des Nationalsozialismus
Mit dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich 1938 verlor nicht nur Österreich seine Unabhängigkeit, auch Klosterneuburg büßte seine Selbständigkeit ein. Die Stadt wurde am 15. Oktober 1938 Groß-Wien eingegliedert und bildete mit den Orten Gugging, Kierling, Höflein an der Donau, Kritzendorf, Weidling und Weidlingbach den 26. Wiener Gemeindebezirk.

Zweite Republik
Im Juli 1946 wurde vom Nationalrat die Rückgliederung Klosterneuburgs und weiterer 80 Gemeinden nach Niederösterreich beschlossen. Der Alliierte Rat verweigerte diesem Gesetz jedoch jahrelang seine Zustimmung, sodass die Rückgliederung erst mit 1. September 1954 vollzogen werden konnte. Die gesamten Gebietsteile der vor dem 15. Oktober 1938 ehemals selbständigen Gemeinden Gugging, Kierling, Höflein, Kritzendorf, Weidling und Weidlingbach wurden der wiedererrichteten Stadtgemeinde Klosterneuburg eingegliedert. Damit wurde Klosterneuburg zur (heute) drittgrößten Stadt Niederösterreichs.

Mit der Rückgliederung wurde Klosterneuburg Teil des Bezirks Wien-Umgebung (WU), von 1991 bis zu dessen Auflösung mit 31. Dezember 2016 war es Sitz der Bezirkshauptmannschaft.

Das Vorhaben der Auflösung des Bezirks WU wurde im September 2015 bekannt. Klosterneuburg ist seit 1. Jänner 2017 Teil des Bezirks Tulln, wie dies schon bis 1938 der Fall war. Da dies aber umstritten war, wurden weitere Möglichkeiten, wie die Erlangung eines eigenen Stadtstatuts oder die Eingemeindung zu Wien als weitere Optionen diskutiert. Am 1. Juli 2016 wurde vom Gemeinderat eine Eingliederung in den Bezirk Tulln beschlossen, unter der Bedingung, dass Klosterneuburg eine eigene Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft erhalten würde.Diese Außenstelle befindet sich seit 1. Jänner 2017 im Gebäude der ehemaligen Bezirkshauptmannschaft in der Leopoldstraße.

Leopold III. - Der Heilige

Markgraf und Landespatron von Österreich

* 1073, † 15. 11. 1136
Babenberger-Markgraf von Österreich (ab 1095); Sohn von Leopold II., Vater von Heinrich II. (Jasomirgott) und Leopold IV. Stellte sich 1105 im Kampf Heinrichs V. gegen seinen Vater Heinrich IV. auf die Seite des Sohnes und erhielt dafür dessen Schwester Agnes zur Frau. Durch diese seine 2. Gattin wurde er mit den Dynastien der Salier und Staufer verwandt; er erhielt das Königsgut und Reichsrechte in der Mark Österreich, gebrauchte den Rang "principatus terrae" (übergräfliche Stellung) und sprach vom "ius terrae". Leopold III. verzichtete 1125 auf die Königskandidatur. Seine Zeit verlief vorwiegend friedlich. Damals fielen große Besitzungen als Erbschaft oder Heiratsgut an den Markgrafen, so der Raum Wien. Unter ihm erhielten einige Donauorte Stadtrang (Stein, Krems mit Münzstätte, Tulln, Neuburg, Wien, Hainburg); Klosterneuburg, Heiligenkreuz und Kleinmariazell wurden von ihm gestiftet, Seitenstetten und Baumgartenberg von Hochadeligen und St. Georgen (Herzogenburg) vom Bischof von Passau. In Österreich wurden erste kulturelle Leistungen erbracht (Frau Ava, Heinrich von Melk, Melker Annalen, Vita Altmanni), Leistungen des Burgenbaus waren Oberranna und die Pfalz neben dem Kollegiat Klosterneuburg (seit 1133 Stift). Hier war der Herrschersitz und befindet sich die Begräbnisstätte. Die Erinnerung an ihn wird hier bis heute gepflegt. Heiligsprechung 1485, seit 1663 Landespatron von Österreich (und Wien). Sein Feiertag ist der 15. November, der jedes Jahr, speziell im Osten des Landes und seiner "Heimatstadt" Klosterneuburg mit dem traditionellen "Leopoldimarkt" gefeiert wird!