Schriftsteller

Franz Grillparzer, Adalbert Stifter oder etwa Anton Wildgans - der Wienerwald inspirierte diese Persönlichkeiten zu großen Werken.

Franz Grillparzer (1791-1872)

Der große österreichische Dramatiker schreibt in seinen Lebenserinnerungen: "In den ersten Jahren seit dem Erwachen meines Bewußtseins wurde das Traurige unserer Wohnung dadurch gemildert, dass mein Vater gemeinschaftlich mit seiner Schwiegermutter und einem seiner Schwäger ein großes Haus in Enzersdorf am Gebirge kaufte, das Raum genug bot, um drei Familien, ganz abgesondert von einander zu beherbergen."

In diesem Haus verbrachte er einige Sommer. Hier soll er zu seinem Drama "Die Ahnfrau" inspiriert worden sein. Seine "Notizen" ritzte Grillparzer mit dem Stein seines Ringes in das Fensterglas, wo sie heute noch zu sehen sind. Johann Joseph Graf von Seilern Aspang war von 1778 bis 1818 Eigentümer des Schlosses Hunyadi in Maria Enzersdorf und hatte einen früh verwaisten Neffen in sein Haus aufgenommen. Im Jahr 1812 verpflichtete er Franz Grillparzer als Hauslehrer für seinen Neffen.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Viele Jahre verbrachte Nikolaus Lenau die Sommer bei seiner Schwester, zuerst in Kierling und dann in Weidling. Auf den Wanderungen von seiner Wohnung in Döbling nach Klosterneuburg entstand der berühmte Gedichtzyklus "Waldlieder".

Adalbert Stifter (1805-1868)

In seiner Zeit in Wien von 1826 bis 1848 besuchte Adalbert Stifter häufig den Wienerwald. 1844 verfasste er einen Ausflugsführer, in dem er ganz besonders die Aussicht vom Tulbinger Kogel beschreibt.

Ferdinand Kürnberger (1821-1879)

Der Dichter und Revolutionär, der mit seiner sprachgewaltigen Kritik an den Wiener Zuständen ein Vorbild für Karl Kraus wurde, liegt am Mödlinger Friedhof begraben.

Anton Wildgans (1881-1932)

Der Lyriker, Dramatiker und Burgtheaterdirektor Anton Wildgans wählte Mödling schon früh zu seinem Wohnsitz. Seine lyrischen Werke waren teilweise vom Symbolismus beeinflusst und beschäftigen sich mit sozialen Problemen. Von seinen naturalistischen - später expressionistischen - Werken sind vor allem "Kain" und "Kirbisch" oder "Der Gendarm, die Schande und das Glück" bemerkenswert.

Franz Theodor Csokor (1885-1969)

Der Dramatiker und langjährige Präsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs wuchs in Mödling auf. Sein erfolgreichstes Stück "3. November 1918" setzt dem Untergang der Österreichisch-Ungarischen Monarchie ein berührendes Denkmal.

Josef Weinheber (1892-1945)

Der Lyriker und Erzähler Josef Weinheber verbrachte einige Jugendjahre im Hyrtl'schen Waisenhaus in Mödling. Bis zu seinem Tod lebte er in Kirchstetten am nördlichen Rand des Wienerwaldes. Sein beliebtestes Werk ist die Gedichtsammlung "Wien wörtlich", die zum Teil im Wiener Dialekt verfasst ist.

Heimito von Doderer (1896-1966)

1896 wurde in Weidlingau einer der größten österreichischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts geboren. "In seinem Gesicht war Österreich" schrieb Hans Weigel über den unauffälligen Schriftsteller, der mit seinen Romanen "Die Strudlhofstiege" und "Die Dämonen" Weltliteratur verfasste. 1966 wurde ihm ein großes Dichterbegräbnis zuteil, wie vor ihm nur Franz Grillparzer.

Wystan Hugh Auden (1907-1973)

Von 1957 an verbrachte der Lyriker W. H. Auden seine Sommer in Kirchstetten, wo die Lyrikbände "About the House", "Homage to Clio", und "City Without Walls" entstanden.